Über den Blog

Diese Seite richtet sich an Surfer aller Erfahrungsstufen: an Surfneugierige und Gelegenheitssurfer ebenso wie an Intermediates und Fortgeschrittene. Sie wird nach und nach wachsen und dabei die wichtigsten Themen rund ums Surfen behandeln. Fortgeschrittene müssen sich allerdings etwas gedulden, denn wir beginnen bei den „Very Basics“. Wir starten mit einfachen Fragen für Surfneugierige, arbeiten uns schrittweise zu technischen Tipps vor und gehen der Frage nach, warum Surfer im kommerziellen Surfschulbetrieb mit ihrer Entwicklung so häufig ins Stocken geraten.

Über den Autor

Zunächst kurz zu mir: Unter meinen Kollegen stelle ich eine gewisse Ausnahme dar. Ich habe erst mit 24 Jahren surfen gelernt, während viele von ihnen schon auf dem Brett standen, bevor sie richtig laufen konnten. Wer spät anfängt, muss vieles bewusst verstehen, was andere häufig intuitiv gelernt haben. Diese Erfahrung prägt bis heute, wie ich an das Surfen herangehe und wie ich es unterrichte. Meine Surflehrerausbildung habe ich nie als Abschluss meiner Ausbildung betrachtet, sondern als deren Ausgangspunkt. Zusätzlich habe ich eine Ausbildung zum Personal Trainer absolviert, erneuere alle zwei Jahre meine Rettungsschwimmerprüfung und bilde mich rund um das Surfen und seine Vermittlung kontinuierlich weiter. Stand 2026 kann ich auf acht Jahre Erfahrung als Surflehrer in Famara zurückblicken. Vor allem aber kenne ich das Surfschulgeschäft aus drei Perspektiven: als Surfschüler, als angestellter Surflehrer und heute als Betreiber meiner eigenen kleinen Surfschule. Bislang habe ich dieses Wissen hauptsächlich direkt an meine eigenen Schüler weitergegeben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie überwältigend es sein kann, wenn man mit dem Surfen beginnt und erst recht, wenn man Ende zwanzig auf die Idee kommt, Surflehrer zu werden. Man wird schnell mit einer riesigen Menge an Informationen konfrontiert: gut gemeinte Ratschläge, Klischees, Halbwahrheiten, Slang, Vorurteile und jede Menge Hype. Und natürlich weiß es jeder besser. Vieles davon beginnt sich erst im Laufe der eigenen Entwicklung als Surfer zu ordnen und lässt sich mit wachsender Erfahrung besser einordnen. Dieser Blog soll dir helfen, den roten Faden etwas früher zu finden. Da meines Erachtens die erste Surfstunde die wichtigste ist und die ersten Erfahrungen die weitere Entwicklung als Surfer lange prägen können, beginnen wir ganz am Anfang dieses roten Fadens. Unterwegs werden wir auch untersuchen, warum er manchmal so schwer zu finden ist.

Persönliche Perspektive

Wie jeder persönliche Blog ist auch diese Seite von der Perspektive ihres Autors geprägt. Meine Einschätzungen beruhen auf persönlichen Erfahrungen, recherchierten Fakten und meiner beruflichen Expertise als Surfcoach und Betreiber einer kleinen Surfschule. Ich versuche, die Überlegungen hinter meinen Schlussfolgerungen nachvollziehbar zu machen, damit du selbst entscheiden kannst, was für dich relevant und überzeugend ist. Einige Informationen, auf denen einzelne Artikel beruhen, können sich im Laufe der Zeit ändern. Das gilt insbesondere für Gesetze, Verbandsregeln, Standards und Richtlinien.

Wie finde ich die richtige Surfschule für mich?

Für alle, die übermorgen in den Urlaub fahren und Surfen noch auf ihrer Bucketlist haben, kommt hier zunächst ein Kurzleitfaden. Heutzutage gibt es drei übliche Wege, eine Surfschule zu finden:

  • Du suchst bei Google nach einer Surfschule und buchst direkt bei ihr.
  • Du suchst auf den Websites und in den Verzeichnissen anerkannter Surfverbände, etwa der ISA oder des zuständigen nationalen beziehungsweise regionalen Verbands, nach angeschlossenen Schulen oder lizenzierten Coaches.
  • Du buchst über eine der vielen Vermittlungsplattformen.

Ich würde empfehlen, mit einem der ersten beiden Wege zu beginnen und direkt bei der Schule oder dem Coach zu buchen. Wenn professionelles Coaching für dich im Vordergrund steht, ist das Verzeichnis eines Surfverbands besonders hilfreich. Aktuelle Lizenzen und der Status als zertifizierte Surfschule setzen eine anerkannte Ausbildung voraus und erfordern je nach Verband Fortbildungen, regelmäßige Erneuerungen und eine Dokumentation der Arbeit der Schule. So steigen deine Chancen, Coaches zu finden, die das Unterrichten ernst nehmen und nicht hauptsächlich deshalb dort arbeiten, weil sie selbst surfen und am Strand abhängen möchten. Als grobe Faustregel gilt: Je wärmer das Wasser und je stärker ein Reiseziel auf Tourismus ausgerichtet ist, desto schwieriger kann es sein, ernsthaftes Coaching von einer Aktivität zu unterscheiden, die hauptsächlich für Tagesgäste konzipiert wurde. Ein ständiger Zustrom unerfahrener Gäste, die kaum Vergleichsmöglichkeiten besitzen und wahrscheinlich nicht wiederkommen, erleichtert es, mittelmäßigen Unterricht zu verkaufen, ohne sich unter Surfern jemals einen guten Ruf aufbauen zu müssen. Schauen wir uns also zunächst an, worauf du achten solltest, während du dich durch die Websites verschiedener Surfschulen an deinem Reiseziel klickst. Das Ganze ist ein bisschen wie das Erkennen einer Phishing-Mail, nur mit einigen Unterschieden.

Achte auf Authentizität

Achte bei deinem ersten Eindruck darauf, wie authentisch die Website wirkt. Je mehr Stockfotos du findest, desto weniger sagen dir die Bilder darüber, wie die Surfschule und ihr Unterricht tatsächlich aussehen. Nutze Google Maps und Street View, um herauszufinden, ob die gezeigten Bilder wirklich aus der Umgebung der Surfschule stammen. In manchen Fällen erkennst du das auf den ersten Blick, in anderen musst du etwas genauer hinsehen. Stockfotos fallen häufig durch eine Bildsprache auf, die nicht recht zum Ort oder zum übrigen Auftritt der Surfschule passt. Manchmal gibt auch der Dateiname einen Hinweis: Stockfotos tragen häufig nur eine Seriennummer oder enthalten sogar den Namen der Bildagentur. Für Lanzarote ist der Vergleich meist recht einfach: Wenn im Hintergrund üppige Vegetation, karibisch anmutende Sandstrände oder eine moderne Skyline zu sehen sind, stammt das Foto sehr wahrscheinlich nicht von hier. Stockfotos bedeuten nicht automatisch, dass eine Surfschule schlecht ist. Sie liefern dir aber auch keinen Beleg dafür, dass die Schule, der Unterricht und die Bedingungen vor Ort tatsächlich so aussehen wie dargestellt.

Achte auf widersprüchliche Werbeaussagen

Prüfe, ob die verschiedenen Aussagen der Surfschule zusammenpassen. Wenn auf einer Seite zunächst mit persönlichem Unterricht in kleinen Gruppen geworben und an anderer Stelle vor allem die enorme Zahl der jährlich betreuten Schüler hervorgehoben wird, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Eine hohe Gesamtzahl allein schließt kleine Gruppen zwar nicht aus. Sie kann aber auf stark standardisierte Abläufe und eine Abfertigung nach dem Fließbandprinzip hindeuten, also eher auf Masse als auf individuelle Betreuung. Wenn die Website ein klares Bild davon vermittelt, wie die Sessions ablaufen und die Gruppen organisiert werden, ist das ein positives Zeichen dafür, dass sich die Schule Gedanken über Dinge macht, die für dich als Kunde und Surfschüler wichtig sind.

Kleine Gruppen?

Fast jede Surfschule wirbt heutzutage mit kleinen oder begrenzten Gruppengrößen, auch weil diese Begriffe bei Google gut funktionieren. Häufig wird das Versprechen um eine konkrete Zahl ergänzt, beispielsweise:

„Surfkurse in kleinen Gruppen, maximal acht Schüler pro Kurs.“

Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob eine Gruppe von acht Personen wirklich klein ist. Die Zahl allein erzählt nicht die ganze Geschichte. Wie viele Gruppen sind gleichzeitig im Wasser und wie verteilen sie sich? Und warum spielt die Gruppengröße überhaupt eine Rolle? Crowds waren noch nie das, wonach Surfer suchen. Wenn sich aber mehrere Gruppen mit jeweils nur wenigen Surfern im selben Strandabschnitt versammeln, entsteht genau das: eine Crowd. Deshalb ist die Größe der Surfschule mindestens ebenso wichtig wie die Größe der einzelnen Gruppe. Da ich nur mit einer Gruppe arbeite, kann ich flexibel auf die Bedingungen reagieren und überfüllten Bereichen schnell ausweichen. Sobald der Unterricht beginnt, ist die Teilnehmerzahl aus mehreren weiteren praktischen Gründen wichtig. Im Lärm der Brandung ist verbale Kommunikation nur über eine begrenzte Entfernung möglich. Eine Gruppe von acht Personen muss deshalb relativ eng zusammenbleiben, wenn alle in Rufweite des Coaches sein sollen. Mit den Boards zwischen ihnen können die Teilnehmer schnell zur Gefahr füreinander werden, wenn sie einander zu nahe kommen. Mehr Surfer bedeuten außerdem weniger Übungsmöglichkeiten für jeden Einzelnen. Besonders deutlich wird das, sobald alle an Richtungswechseln arbeiten und mehr Platz benötigen. Bei Sicherheitsbesprechungen und Übungen an Land ist meiner Erfahrung nach eine Gruppe von vier bis sechs Teilnehmern am effizientesten. Das sind genug Menschen für soziale Interaktion, ohne dass sich jemand ständig im Mittelpunkt fühlt. Gleichzeitig bleibt die Gruppe klein genug, damit mir niemand aus der Aufmerksamkeit gerät und ich umgekehrt niemandem aus der Aufmerksamkeit verschwinde. Ein Surfcoach hat zwei Augen, zwei Ohren und zwei Hände. Er ist kein Übermensch. Coaching im Wasser ähnelt in dieser Hinsicht ein wenig dem Schiedsrichtern bei einem Fußballspiel: Ich verändere ständig meine Position rund um meine Schüler, um den bestmöglichen Blickwinkel zu behalten, zu sehen, was jeder Einzelne macht, und nahe genug zu sein, um bei Bedarf eingreifen zu können. Deshalb halte ich persönlich vier bis sechs Personen für die beste Gruppengröße. Acht Teilnehmer zu coachen ist nicht unmöglich, verändert aber meine Arbeitsweise. Um alle sicher überwachen zu können, muss ich relativ statisch an einer Position nahe am Strand oder direkt am Strand bleiben. Bei acht Schülern verschiebt sich meine Rolle weg vom aktiven Coaching und hin zur Beaufsichtigung der Gruppe von einem festen Standort aus.

Die Gruppengröße allein sagt noch nicht alles

Unabhängig von der Anzahl der Surfer spielt auch die Zusammensetzung der Gruppe in mehrfacher Hinsicht eine Rolle. Handelt es sich um eine geschlossene Kurswoche mit einem festen, aufeinander aufbauenden Programm, oder werden Teilnehmer, die mehrere Tage buchen, täglich mit neuen Tagesgästen zusammengewürfelt? Wann und nach welchen Kriterien werden die Gruppen eingeteilt? Wann erfährt der Coach, wen er unterrichtet? Wie viel der gebuchten Kurszeit entfällt auf Organisation und Aufteilung? All das beeinflusst, wie viel du aus deinem Surfkurs tatsächlich für dein eigenes Surfen mitnehmen kannst. Was davon bei einer bestimmten Surfschule tatsächlich zutrifft, lässt sich aus der Ferne nur schwer beurteilen. Bewertungen können hier einiges verraten.

Was sagen Bewertungen aus?

Wichtiger als die Sternebewertung ist, was die Gäste tatsächlich schreiben.

Du suchst ein Surfcamp, neue Leute und eine gute Zeit?

Dann achte auf Aussagen wie:

  • „Super Vibe und eine großartige Atmosphäre im Camp.“
  • „Das BBQ und die Drinks am Abend waren das absolute Highlight.“
  • „Tolle Unterkunft und nette Leute.“

Du willst vor allem surfen lernen?

Dann suche nach konkreten Aussagen über den Unterricht:

  • „Der Coach hat meine Fehler erkannt und direkt korrigiert.“
  • „Strömungen, Vorfahrtsregeln und Gefahren wurden verständlich erklärt.“
  • „Ich habe verstanden, warum mein Take-off nicht funktioniert hat.“

Bewertungen zeigen meist recht deutlich, welche Zielgruppe sich dort wohlfühlt und worauf die Gäste besonderen Wert legen. Daraus lässt sich erkennen, was dich erwartet und wo die Stärken einer Surfschule liegen. Die Anzahl der Bewertungen ist für sich allein kein Qualitätskriterium. Wenn eine Surfschule Tausende Bewertungen besitzt und die Schule nebenan nur hundert, kann der Unterschied schlicht darauf zurückgehen, wie lange die Schulen bereits existieren, wie groß sie sind und wie viele Gäste sie jährlich unterrichten. Mehr Bewertungen bedeuten nicht automatisch besseren Unterricht. Auch die Aktualität der Bewertungen spielt eine Rolle, weil die Unterrichtsqualität im Laufe der Zeit schwanken kann. Viele Surflehrer arbeiten saisonweise oder freiberuflich und wechseln zwischen verschiedenen Surfschulen und Ländern. Insbesondere größere Surfschulen wechseln außerdem gelegentlich komplett den Besitzer. Ältere Bewertungen können sich deshalb auf eine Schule beziehen, die unter demselben Namen heute ganz anders arbeitet.

Verbandslizenzen und lokale Registrierung

Bei Verbandslizenzen solltest du zwischen zwei Ebenen unterscheiden: der Zertifizierung einer kompletten Surfschule und der Qualifikation des einzelnen Surfcoaches. Damit eine Surfschule von einem Verband zertifiziert wird, muss sie je nach Verband bestimmte personelle, organisatorische und strukturelle Voraussetzungen erfüllen. Kleine mobile Anbieter erfüllen möglicherweise nicht alle diese Anforderungen, obwohl der Coach nach den Standards eines Verbandes ausgebildet und lizenziert ist. Eine fehlende Zertifizierung der kompletten Schule ist deshalb nicht automatisch ein Warnsignal. Wichtiger ist, wer dich tatsächlich unterrichtet und welche Ausbildung und Qualifikation diese Person besitzt. Relevante Organisationen sind unter anderem die ISA sowie in Spanien und auf den Kanaren die FES und die FCS. Andere Länder haben ihre eigenen nationalen Surfverbände. Eine Verbandslizenz zeigt, dass der Coach eine Ausbildung nach den Standards des jeweiligen Verbandes abgeschlossen hat. Die gesetzliche Registrierung bei den zuständigen Behörden bietet Schutz in zwei weiteren Bereichen: Sie regelt die erforderliche Qualifikation des Personals und stellt sicher, dass der Anbieter über die vorgeschriebenen Versicherungen verfügt. Welche Anforderungen mit der Registrierung verbunden sind, hängt vom jeweiligen Reiseland ab. Auf den Kanaren werden Anbieter von Surfunterricht als Turismo-Activo-Anbieter im Registro General Turístico registriert. Zu den Voraussetzungen gehören eine Betriebshaftpflichtversicherung für Schäden, für die der Anbieter verantwortlich ist, sowie eine Assistenz- oder Unfallversicherung, die im Falle eines Unfalls unter anderem Suche, Rettung, Transport und medizinische Behandlung abdeckt.

Surf Coach oder Surf School?

Auf den Kanaren ist die administrative Unterscheidung zwischen einem Surfcoach und einer Surfschule weniger eindeutig, als es zunächst scheint. Das Registro General Turístico unterscheidet nicht zwischen einer traditionellen Surfschule mit eigenen Räumen, mehreren Coaches und großen Gruppen und einem selbstständigen Surfcoach mit ein paar Boards und Neoprenanzügen. Eine eigene Registerkategorie für private Surfcoaches gibt es nicht. Viele selbstständige Surfcoaches entfernen sich bewusst von den üblichen Abläufen großer Surfschulen, weil sie persönlicher und individueller arbeiten möchten. In ihrer Onlinekommunikation müssen sie trotzdem die Begriffe verwenden, nach denen potenzielle Gäste tatsächlich suchen. Sie müssen nicht nur von erfahrenen Surfern gefunden werden, die bereits gezielt nach individuellem Coaching suchen, sondern vor allem von Anfängern und Surfneugierigen. Diese suchen gewöhnlich nach einer „Surfschule“ oder nach „Surfkursen“, nicht nach einem selbstständigen Surfcoach. Deshalb verwenden viele Mikrosurfschulen den Begriff „Surfschule“, obwohl sie sich selbst eher als persönliche Surfcoaches verstehen. Wenn du auf den Kanaren nach privatem oder besonders individuellem Surfcoaching suchst, solltest du einen Anbieter also nicht allein deshalb aussortieren, weil er diesen Begriff verwendet. Entscheidend ist, wie das tatsächliche Angebot aufgebaut ist. Auch andere Surfschulen und die Öffentlichkeit nehmen uns als Surfschule wahr, egal, wie sehr wir uns gegen diese Bezeichnung wehren. Dazu eine kleine Anekdote aus dem Jahr, in dem ich mich selbstständig gemacht habe: In Famara begegnete ich dem Shaper, der wahrscheinlich fast jedes Surfboard der Insel irgendwann einmal auf seinen Shaping Racks hatte, gelegentlich auch eines von mir. Er rief mir zu: „Hey Conrad, ich habe gehört, du hast jetzt deine eigene Surfschule.“ Ich antwortete: „Nein, das ist keine Surfschule. Ich habe ein paar Boards und Neoprenanzüge, und wir treffen uns am Strand.“ Darauf sagte er: „Na, dann hast du eine Surfschule.“

Wie findest du heraus, wie eine Surfschule wirklich tickt?

Ganz einfach: Schreib ihr eine kurze Nachricht. Lass „One-click booking“ und den direkten Weg zum Warenkorb zunächst links liegen und schick eine E-Mail oder nutze das Kontaktformular der Website: „Hi, ich würde gerne am [Datum] bei euch einen Surfkurs machen. Habt ihr noch einen Platz frei?“ Mehr musst du zunächst gar nicht schreiben. Die Antwort kann bereits sehr viel verraten. Möchte die Surfschule mehr über dich, deine bisherigen Erfahrungen, dein Level oder deine Ziele erfahren? Fragt sie vielleicht sogar nach Alter, Körpergröße und Gewicht? Dann ist das ein gutes Zeichen: Jemand macht sich Gedanken darüber, wer zum Kurs kommt und wie du sinnvoll eingeplant werden kannst. Kommt dagegen weder vor noch nach der Buchung eine einzige Frage, deutet das darauf hin, dass der Ablauf weitgehend unabhängig davon geplant wird, wer tatsächlich erscheint und mit welchen Voraussetzungen oder Ambitionen diese Person kommt. Oft sagt auch der Ton einer E-Mail mehr über den Vibe und den Anspruch einer Surfschule aus als die gesamte Website oder ein Buchungsportal. Auch eine direkte Onlinebuchung kann gut vorbereitet sein. Dabei müssen nicht alle Angaben bereits im ersten Schritt abgefragt werden. Manche Surfschulen teilen den Vorgang in zwei Schritte: Zunächst stellst du auf der Website eine kurze Buchungsanfrage und musst nur wenige Angaben machen. Sobald die Verfügbarkeit geklärt ist und die eigentliche Buchung erfolgt, fragt die Surfschule genauer nach. Entscheidend ist, dass sie rechtzeitig vor dem Kurs die Informationen erhält, die für den Unterricht relevant sind: bisherige Surferfahrung, Ziele, Alter, Körpergröße und Gewicht. Diese Angaben helfen dabei, Gruppen im Voraus sinnvoll zusammenzustellen und die passenden Neoprenanzüge und Boardgrößen auf dem Anhänger zu haben, wenn es zum Strand geht. Besonders wenn du das Gefühl „bitte nicht noch eine Anfänger-Session“ bereits kennst, solltest du darauf achten. An solchen Details erkennst du häufig schon vor der Buchung, ob eine Surfschule deinen bisherigen Stand überhaupt berücksichtigen kann. Dieser direkte Austausch ist für mich einer der wichtigsten Gründe, möglichst direkt bei der Surfschule zu buchen.

Plattformen wie GetYourGuide, Tripadvisor und Co.

Ich bin kein großer Fan von ihnen. Erst einmal: Ja, sie machen es dir einfacher, Surfschulen zu finden und zu buchen. Was sie dem Kunden bringen, ist trotzdem überschaubar:

  • die Möglichkeit, Angebote zentral zu suchen und zu vergleichen
  • einen gemeinsamen Buchungs- und Zahlungsprozess
  • Bewertungen anderer Gäste
  • je nach Angebot kostenlose oder flexible Stornierungen

Nichts davon bieten ausschließlich Vermittlungsplattformen. Jede Suchmaschine ermöglicht dir, Angebote zentral zu finden und zu vergleichen. Die meisten Surfschulen besitzen ein Unternehmensprofil mit Bewertungen bei Google Maps und bieten eigene Möglichkeiten zur Buchung und Zahlungsabwicklung an. Ob eine Surfschule gut oder schlecht für dich ist, musst du weiterhin selbst herausfinden und dich dafür durch die verschiedenen Angebote klicken. Gleichzeitig vergrößern Plattformen die Distanz und verlängern die Informationskette zwischen Kunde und Surfschule. Standardisierte Kontaktformulare filtern teilweise, welche Fragen gestellt und welche Informationen übermittelt werden können. Je nach Plattform wird die direkte Kommunikation zwischen Anbieter und Kunde eingeschränkt, manchmal bis zum Termin vor Ort. Meine Kritik gilt deshalb nicht diesen einzelnen Funktionen, sondern dem Geschäftsmodell an sich. Denn dafür, dass je nach Plattform und Vereinbarung bis zu 30 Prozent des Gesamtpreises in die Vermittlung fließen, entsteht für denjenigen, der bucht, erstaunlich wenig zusätzlicher Wert.

Warum auf Plattformen alle Angebote gleich aussehen

Die Profile auf den Plattformen sind weitgehend standardisiert. Sie verwenden dieselben nichtssagenden Slogans wie „kleine Gruppen“ und „kein Anstehen“ oder stellen Zusatzleistungen wie die Abholung vom Hotel heraus. Herauszufinden, welcher Anbieter wirklich zu MIR passt, wird dadurch nicht einfacher, sondern eher schwieriger. Warum? Ganz einfach: Das Geschäftsmodell der großen Plattformen lebt davon, sehr unterschiedliche Angebote vergleichbar und für eine möglichst breite Zielgruppe buchbar erscheinen zu lassen. Die Unterschiede treten dabei in den Hintergrund. Deshalb findet ihr dort, ähnlich wie bei vielen großen Surfschulen und Camps, immer wieder austauschbare Slogans, ähnliche Bilder und nahezu identische Angebote, die sich auf den ersten Blick höchstens durch Preis und Ort unterscheiden. Ob DU in deinem Surfkurs tatsächlich surfen lernst, ist für die Plattform zweitrangig. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Buchungen zu vermitteln, unabhängig davon, was gebucht wird und von wem. Auch die Reihenfolge, in der Surfschulen bei einer Suche erscheinen, ist kein verlässliches Qualitätsranking für den Surfunterricht. Eine gute Platzierung kann von vielen Dingen beeinflusst werden: einem professionell gepflegten Profil, überzeugendem Bildmaterial, der Anzahl der Buchungen und Bewertungen oder schlicht davon, wie gut sich ein Angebot über die Plattform verkaufen lässt. Auch eine Fünf-Sterne-Bewertung sagt nicht automatisch etwas über den Unterricht aus. Gibt jemand fünf Sterne für das nette Personal im Shop, den Hoteltransfer oder den tollen Vibe in der Gruppe, verbessert das die sichtbare Gesamtbewertung – selbst wenn der Surfkurs im Kommentar nicht einmal erwähnt wird. Dadurch verschiebt sich der Fokus: Das Drumherum wird sichtbarer und wichtiger als der eigentliche Surfunterricht. Eine Surfschule, die wirklich kleine Gruppen anbietet und den Begriff nicht nur als Slogan verwendet, hat dabei einen strukturellen Nachteil. Wer weniger Gäste unterrichtet, sammelt zwangsläufig weniger Bewertungen. Und wer kein All-inclusive-Paket anbietet, kann weder mit Unterkunft und Essen noch mit Partys und anderen Nebenleistungen punkten. Gerade die Surfschulen, die nicht auf Masse setzen, werden dadurch von den Menschen, die genau danach suchen, möglicherweise gar nicht gefunden.

Die Plattformen kassieren mit

Den wenigsten Gästen ist bewusst, wie hoch die Provisionen solcher Plattformen sein können. Die genaue Höhe hängt von der Plattform, dem Land und der jeweiligen Vereinbarung ab. Provisionen zwischen 20 und 30 Prozent des Kurspreises sind im Markt jedoch keine Seltenheit. Von einem Surfkurs für 50 Euro gehen dann bereits 10 bis 15 Euro an GetYourGuide, Tripadvisor beziehungsweise Viator und Co. Je nach Vertrag kommen Bestpreisregelungen hinzu. Obwohl die Surfschule bei einer direkten Buchung die Provision sparen würde, darf sie denselben Kurs dann über ihre eigenen Kanäle nicht günstiger anbieten. Die Ersparnis kann also nicht ohne Weiteres an den Kunden weitergegeben werden. Das einzige für mich einigermaßen überzeugende Buchungsargument der Plattformen ist die häufig angebotene kostenlose oder flexible Stornierung. Wenn deine Reisepläne unsicher sind, kann das durchaus ein Vorteil sein. Es hat allerdings nichts damit zu tun, was für dich wichtig ist, wenn du tatsächlich surfen lernen möchtest. Flexible Stornierungen werden in Verbraucherratgebern häufig als Vorteil von Buchungsplattformen hervorgehoben. Einen Schutz, den ausschließlich Plattformen bieten, stellen sie jedoch nicht dar. Viele Surfschulen haben sich dem Druck längst angepasst und bieten selbst flexible Buchungen und angemessene Stornierungsfristen an. Wer einige Tage im Voraus absagt, kann häufig kostenlos stornieren. Auch bei kurzfristigen Erkrankungen gibt es teilweise Kulanzregelungen: Gegen Vorlage eines Attests wird der Betrag erstattet, gutgeschrieben oder der Kurs kann nach der Genesung nachgeholt werden. Trotzdem gehen bei einer Buchung über die Plattform je nach Vereinbarung 20 bis 30 Prozent des Kurspreises an einen Vermittler.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Auch Datenschutz wird häufig als Argument für die Buchung über eine Plattform angeführt. Dabei entsteht leicht der Eindruck, die Surfschule müsse deine persönlichen Daten dann nicht selbst erfassen. Das stimmt jedoch nicht. Die Surfschule benötigt bestimmte Angaben nicht nur zur Organisation des Unterrichts, sondern ist teilweise auch gesetzlich dazu verpflichtet, sie zu erfassen und aufzubewahren. Auf den Kanaren müssen Anbieter von Turismo-Activo-Aktivitäten ihre Teilnehmer identifizieren und erreichen können. Außerdem müssen die Unterlagen, die im Zusammenhang mit Buchung, Durchführung und Bezahlung entstehen, vier Jahre lang aufbewahrt werden. Für eine vollständige Rechnung werden weitere Kundendaten benötigt. Bietet ein Surfcamp zusätzlich eine Unterkunft an, kommen die gesetzlichen Meldepflichten für Beherbergungsbetriebe hinzu. Diese Daten liegen auch im Interesse des Kunden vor. Kurzfristige Änderungen müssen kommuniziert werden können. Und wenn beispielsweise ein allein reisender Gast nach einem schweren Unfall bewusstlos im Krankenhaus liegt, ist es nicht nebensächlich, ob der Anbieter die Person eindeutig identifizieren und ihre hinterlegten Kontaktdaten zuordnen kann. Gibt eine Plattform die erforderlichen Informationen nicht an die Surfschule weiter, verhindert sie deren Erfassung also nicht. Sie verschiebt sie lediglich auf einen späteren Zeitpunkt. Dann müssen die Angaben bei der Ankunft noch einmal abgefragt und häufig manuell erfasst werden, zwischen Check-in, Materialausgabe und Beginn des Surfkurses. Auch für eine sichere Zahlungsabwicklung ist keine Buchungsplattform erforderlich. Kaum eine Surfschule möchte Kreditkartennummern selbst speichern oder verarbeiten. Zahlungsdienstleister wie Stripe, PayPal oder Redsys übernehmen diese Aufgabe. Bei einer entsprechenden Einbindung werden die Zahlungsdaten direkt vom Zahlungsanbieter verarbeitet. Die Surfschule erhält im Wesentlichen die Information, wer welchen Betrag bezahlt hat, nicht die vollständigen Kreditkartendaten. Eine Vermittlungsplattform verhindert die notwendige Datenerhebung daher nicht. Sie fügt der Informationskette einen weiteren Datenempfänger hinzu und kann gleichzeitig dafür sorgen, dass die Surfschule wichtige Angaben erst später oder gar nicht erhält.

Wie die Plattformen ihre eigene Relevanz erzeugen

Und hier wird es absurd: Wir Surfschulen geben den Plattformen überhaupt erst ihre Relevanz. Wir produzieren Fotos, Videos und Texte, beantworten Fragen, erarbeiten uns gute Bewertungen und stellen das Material, die Versicherungen und selbstverständlich die eigentliche Aktivität bereit. Nahezu alles, was du auf diesen Plattformen über einen Surfkurs siehst, stammt letztlich von der Surfschule. Wir liefern den Plattformen also genau die Inhalte, durch die ihre Seiten für Suchmaschinen relevant werden. Diese Relevanz bleibt jedoch bei der Plattform und stärkt nicht die Website der Surfschule, beispielsweise durch einen direkten Link. Stattdessen bezahlen wir bei jeder vermittelten Buchung dafür, mit unseren eigenen Inhalten dort vertreten zu sein. Anschließend treten die Plattformen mit dem von uns bereitgestellten Angebot bei Google gegen uns an. Sie schalten Werbung für dieselben Orte, Suchbegriffe und Aktivitäten, für die auch die Surfschulen selbst werben. Die Schulen zahlen damit zunächst Provision für eine vermittelte Buchung und anschließend noch einmal für Werbung, um neben den Plattformen überhaupt sichtbar zu bleiben. Ein direkter Link zur Website der Surfschule oder ein Hinweis darauf, wie du sie unmittelbar kontaktieren kannst, wird in den Angeboten normalerweise nicht veröffentlicht. Das ist natürlich kein Zufall: Könntest du den Anbieter problemlos finden und direkt bei ihm buchen, wäre die Vermittlung überflüssig. Keine Surfschule zahlt freiwillig gerne 20 bis 30 Prozent Provision. Deshalb findest du bei einer Suche über Plattformen häufig dieselben Schulen wieder, die auch selbst vor Ort und online werben: über ihre eigene Website, ihr Google-Unternehmensprofil, Google Ads oder einen Eintrag bei Google Maps. Surfschule A besitzt dann beispielsweise eine eigene Website und ein Google-Unternehmensprofil, taucht aber zusätzlich bei Tripadvisor beziehungsweise Viator, GetYourGuide und Sunbonoo auf. Damit verweisen bereits mehrere Online-Instanzen auf dieselbe Schule, denselben Ort und teilweise sogar auf exakt denselben Surfkurs. Mach dir einen Spaß und überprüfe es am Beispiel von Famara. Rund um den Google-Maps-Eintrag für „Famara Beach“ erscheinen regelmäßig Anzeigen für Buchungsplattformen und Surfangebote. Gleichzeitig findest du in Google Maps viele derselben Surfschulen, die auch in den Suchergebnissen von Tripadvisor oder GetYourGuide für Famara auftauchen. Welche Schule tatsächlich hinter einem Angebot steckt, kannst du häufig an den Lycras auf den Fotos, den Boards oder anderen wiederkehrenden Details erkennen. Alternativ kannst du ein Bild kopieren und über die Google-Rückwärtssuche prüfen, wo es sonst noch verwendet wird. Diese Vervielfachung der Einträge erschwert nicht nur den Vergleich. Sie lässt das online verfügbare Angebot an Surfaktivitäten wesentlich größer erscheinen als den realen Markt dahinter. Jeder Wiederverkäufer gibt demselben Kurs ein weiteres Schaufenster, erhöht seine Sichtbarkeit und erzeugt zusätzliche Nachfrage. Die tatsächliche Zahl der Schulen, Coaches und verfügbaren Plätze bleibt jedoch wesentlich kleiner. Dadurch werden immer mehr Buchungen in dieselben begrenzten Kapazitäten gelenkt. Das kann zu mehr Druck auf die Strände, volleren Surfkursen und steigenden Preisen führen, ohne dass die tatsächliche Auswahl oder die vorhandene Coachingkapazität entsprechend wächst. Abgesehen davon konkurrieren Surfschulen auf denselben Kanälen um Sichtbarkeit wie Tripadvisor, GetYourGuide und andere Plattformen und treten damit faktisch gegen sich selbst an. So entsteht ein Kreislauf, in dem sich alle gegenseitig überbieten. Die Surfschulen liefern den Plattformen ihre Inhalte, bezahlen Provision für die daraus entstehenden Buchungen und konkurrieren anschließend mit zusätzlichen Werbeausgaben gegen die Reichweite, die sie selbst mit aufgebaut haben. Am meisten ins eigene Fleisch schneiden sich dabei die Surfschulen. Um in diesem Wettbewerb überhaupt noch aufzufallen, arbeiten manche Anbieter mit mehreren Marken, zusätzlichen Websites und parallel geschalteten Anzeigen. Teilweise entstehen außerdem doppelte oder nur leicht abgewandelte Google-Unternehmensprofile. Dadurch wird gleichzeitig das scheinbare Angebot aufgebläht. Es sieht aus, als gäbe es drei- oder viermal so viele Anbieter, obwohl hinter mehreren Namen, Websites und Einträgen ein und dieselbe Surfschule stecken kann. Das ist weder für die Kunden, insbesondere für Erstsurfer in der Orientierungsphase, noch für die Surfschulen oder die Destination von Vorteil.

Wer am Ende dafür bezahlt

Diese Spirale treibt zunächst die Kosten für Online-Sichtbarkeit in die Höhe. Bezahlt werden diese Kosten am Ende jedoch nicht von den Plattformen, sondern von den Anbietern und ihren Kunden. Entweder werden die Aktivitäten teurer oder die Qualität sinkt, weil weniger Geld für Personal, Material und Unterricht übrig bleibt. Im schlechtesten Fall geschieht beides gleichzeitig.

Kunden und Surfschulen zahlen doppelt

Bezahlt werden muss die Provision am Ende trotzdem. Die Surfschulen müssen diese 20 bis 30 Prozent irgendwie wieder hereinholen, entweder über höhere Preise oder über Masse. Die Plattform ersetzt die eigenen Abläufe für Website, Buchung, Kommunikation und Zahlungsabwicklung in der Regel nicht, sondern kommt als zusätzliche Struktur obendrauf. Damit sind Aufwand und Kosten bereits höher, als es für die eigentliche Durchführung des Surfkurses notwendig wäre. Das erhöht den Druck, an anderer Stelle zu sparen und aus jedem Kurs wirtschaftlich möglichst viel herauszuholen. Kursorganisation und Gruppeneinteilung richten sich dadurch eher nach dem maximalen wirtschaftlichen Ertrag als danach, wie jeder Teilnehmer den größtmöglichen Zugewinn an Surfskills und Erfahrung mitnehmen kann. Auch Sessions bei schlechtem Wetter oder unter Bedingungen, die zwar noch durchführbar, für erste Surfversuche aber kaum geeignet sind, werden aus wirtschaftlichen Gründen seltener abgesagt. Für Kunden kann das bedeuten, dass sie von unterbezahlten oder weniger erfahrenen Surflehrern unterrichtet werden – oder an Tagen im Wasser landen, an denen die Bedingungen für sie eigentlich nicht geeignet sind, die Session wirtschaftlich aber trotzdem stattfinden muss. Gleichzeitig machen sich die Surfschulen von Plattformen abhängig, die selbst kaum etwas zur eigentlichen Aktivität beitragen. Sie pflegen mehrere Profile und Vertriebskanäle, zahlen Provisionen und treiben bei dem Versuch, neben den Plattformen sichtbar zu bleiben, gegenseitig die Werbepreise nach oben. Gerade kleine, spezialisierte Surfschulen geraten dadurch ins Hintertreffen. Sie haben weniger Kunden, weniger Bewertungen und weniger Geld für Werbung. Gleichzeitig können sie die verlorene Provision nicht einfach durch größere Gruppen oder zusätzliche Nebenprodukte ausgleichen.

Die Destination leidet

Die Provision von 20 bis 30 Prozent fließt aus der lokalen Wertschöpfung ab und geht an internationale Plattformgesellschaften außerhalb Spaniens. Dieses Geld steht vor Ort nicht mehr für Löhne, Material, lokale Dienstleister, Steuern oder Investitionen in die Qualität des Angebots zur Verfügung. Und wofür? Wie bereits beschrieben, ist die notwendige Buchungs-, Kommunikations- und Zahlungsinfrastruktur bei praktisch jeder Surfschule ohnehin vorhanden und wird von ihr selbst bezahlt. Abgesehen von großzügigeren Möglichkeiten zur kostenfreien Stornierung trägt die Plattform zum eigentlichen Surfkurs und seiner Durchführung vor Ort praktisch nichts bei. Die Plattformen verdienen an der Vermarktung der Kanaren, tragen aber keine unmittelbare Verantwortung für das, was diese Vermarktung überhaupt erst möglich macht. Sie unterhalten hier weder Strände noch Straßen, stellen keine Rettungsschwimmer und beteiligen sich nicht direkt an den Kosten für Naturschutz, Parkplätze oder die Erzeugung von Süßwasser durch Entsalzung. Ein erheblicher Teil des Geldes, das du für eine Aktivität auf den Kanaren ausgibst, kommt damit in der lokalen Wirtschaft nicht an. Die Plattform verdient an der Buchung, während die Destination und die Anbieter vor Ort die Infrastruktur, das Material, das Personal und das eigentliche Erlebnis bereitstellen müssen. Hinzu kommt die Entstehung touristischer Bubbles. Plattformen verursachen den Besucherandrang an beliebten Orten nicht allein, aber ihre Rankings, Anzeigen und Empfehlungen verstärken ihn. Orte, die gerade „in“ sind und sich gut verkaufen lassen, werden noch sichtbarer und dadurch noch voller. Das bedeutet überfüllte Strände und Surfspots. Im Fall von Famara belastet der wachsende Andrang zunehmend auch die empfindliche Ökologie des Strandes und seiner Umgebung. Der Druck auf Flora, Fauna und das soziale Gefüge wird dadurch unnötig verstärkt. Gleichzeitig entstehen Spannungen in der lokalen Gemeinschaft, wenn die Besucherzahlen wachsen, aber zu wenig von der dadurch entstehenden Wertschöpfung bei den Menschen vor Ort ankommt. Am Ende fühlen sich Touristen plötzlich nicht mehr willkommen, während Einheimische sich am eigenen Strand fremd fühlen und ihnen der Andrang schlicht zu viel wird. Deshalb tust du dir und allen Beteiligten einen Gefallen, wenn du direkt bei der Surfschule buchst und nicht über eine Plattform.

Letzte Tipps vor Ort

Wenn du bereits an deinem Reiseziel bist und spontan Surfunterricht nehmen möchtest, schau möglichst schon am Vortag oder früh am Morgen am Strand vorbei. Sieh dir die tatsächlichen Wellen- und Windbedingungen an und beobachte den Unterricht direkt vor Ort. Wenn dir der Stil einer Schule gefällt, spricht nichts dagegen, direkt am Strand Kontakt aufzunehmen.

Wie sieht das Meer heute aus?

Instinkt und gesunder Menschenverstand sind deine besten Ratgeber. Du kennst dich selbst am besten. Wenn dein erster Gedanke beim Anblick der Wellen lautet: „Uff, ganz schön groß“, und du dir plötzlich nicht mehr sicher bist, ob ein anderer Tag vielleicht die bessere Idee wäre, hör auf dein Bauchgefühl. Sobald du gebucht hast und die Gruppe zum Strand aufbricht, ist es für eine Absage in der Regel zu spät.

Sei früh vor Ort

Früh zu kommen lohnt sich auch aus organisatorischen Gründen. In Famara beginnen die meisten Surfschulen ihren Unterricht zwischen neun und zehn Uhr. Vorher müssen Teilnahmeformulare ausgefüllt, Neoprenanzüge verteilt und die letzten Boards geladen werden. Wenn viel los ist, bekommt der Letzte möglicherweise nicht mehr den am besten passenden oder am besten erhaltenen Wetsuit, sondern den, der noch übrig ist. Komm deshalb lieber etwas früher, erledige alles in Ruhe und geh noch einen Kaffee trinken, falls Zeit bleibt.

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte

Früh da zu sein gibt dir außerdem Einblicke, die du nicht bekommst, wenn du in letzter Minute erscheinst. Schau dir an, wie die Schule arbeitet und welches Material tatsächlich im Unterricht verwendet wird. Gepflegte Boards und Wetsuits können ein Hinweis darauf sein, dass die Schule Wert auf einen sorgfältigen Umgang mit ihrem Material legt und dieses Wissen auch an ihre Schüler weitergibt: wie man ein Board behandelt, trägt und lagert und was man besser vermeiden sollte. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Board neu oder schon älter ist. Am meisten Spaß macht das Surfenlernen mit Material, das gut in Schuss ist. Früher oder später möchtest du dir vielleicht selbst ein Board und einen Neoprenanzug kaufen. Dann ist es hilfreich, bereits gelernt zu haben, wie du beides behandelst, damit du lange Freude daran hast. Weitere Tipps zu Boards, Vorhersagen und den Bedingungen im Wasser folgen in den nächsten Artikeln. Damit wechseln wir langsam von der Wahl der richtigen Surfschule zum technischen Teil dieses Blogs.

Material

In jedem Surferleben kommt irgendwann der Moment, in dem man sich einen eigenen Neoprenanzug und ein eigenes Board zulegen möchte. An diesem Punkt ist dieser Blog noch nicht angekommen. Aber auch wenn du Boards und Neoprenanzüge zunächst nur ausleihst, ist es nicht verkehrt, dir über den richtigen Umgang damit Gedanken zu machen. Der Verleiher freut sich über Material, das heil und gepflegt zurückkommt und du ersparst dir Diskussionen und möglicherweise erhebliche Kosten.

Boards: Dos and Don’ts

Die wichtigsten Regeln zuerst:

  • Setz dich am Strand nicht einfach auf dein Board.
  • Kontrolliere vor dem Ablegen den Untergrund.
  • Lass ein Board nicht unnötig lange in der Sonne und niemals im aufgeheizten Auto.
  • Benutze ein beschädigtes Board nicht weiter, wenn Wasser eindringen kann.
  • Versuch nicht, offene Schäden mit Surf-Wax abzudichten.
  • Lass dich nicht hetzen, wenn du ein Board trägst.
  • Wenn du beide Hände brauchst, leg das Board sicher ab, statt es irgendwo anzulehnen.
  • Spüle dein Board ab und zu mit Süßwasser ab und kontrolliere es auf Schäden.

Empfindlicher, als es aussieht

Surfboards sind fragiler, als sie aussehen, oder sich anfühlen, wenn man einmal mit ihnen kollidiert. Im Grunde sind sie echte Mimosen und vor allem eines: ziemliche Luftnummern. Vereinfacht gesagt besteht ein Board hauptsächlich aus einem leichten Schaumkern und einer vergleichsweise dünnen schützenden Außenhaut. Der größte Teil eines Boards besteht aus einem leichten Schaumkern. Je nach Bauweise wird dieser durch einen oder mehrere Stringer aus Holz oder anderen Materialien stabilisiert. Dadurch erhält es viel Volumen bei wenig Gewicht. Von außen wirkt es stabil, im Inneren steckt aber kein massiver Körper, sondern vor allem Schaum. Deshalb können bereits Schläge, scharfe Kanten und punktueller Druck Schäden verursachen. Das Volumen des Boards verdrängt Wasser und erzeugt dadurch Auftrieb. Dringt Wasser in den Kern ein, wird das Board schwerer. Es liegt tiefer im Wasser, reagiert träger und lässt sich schlechter beschleunigen und kontrollieren.

Schläge, Risse und Druckstellen

Hardboards sind besonders empfindlich. Schon ein unachtsamer Schlag, etwa mit der Nose im engen Treppenhaus, kann zu einer richtigen „Platzwunde“ führen. Noch heimtückischer sind feine Haarrisse in der Laminierung, durch die langsam Wasser eindringen kann. Besonders gefährdet sind Nose, Tail und Rails, also die Kanten entlang der Outline. Fishtails und andere schmale oder stark ausgeformte Tailformen besitzen zusätzliche empfindliche Stellen. Softboards verzeihen durch ihre gepolsterte Oberfläche etwas mehr. Unverwundbar sind sie deshalb aber nicht. Die schützenden Schichten sind häufig nur wenige Millimeter dick. Fällt ein Softboard auf einen spitzen Stein oder eine harte Kante, kann auch seine Außenhaut aufreißen oder durchstochen werden. Nicht jeder Schaden ist sofort ein offenes Loch. Sogenannte Pressure Dings entstehen bereits durch punktuelle Belastungen. Das kann passieren, wenn du dich am Strand auf das Board setzt, ohne vorher zu kontrollieren, ob darunter größere Kiesel oder scharfkantige Steine liegen. Bei Softboards können sich sogar harte Pflanzenreste oder andere spitze Gegenstände durch die Außenhaut drücken. Pressure Dings können aber auch bei Stürzen von der Lippe entstehen, etwa bei einem steilen Einstieg in eine ausreichend hohe Welle, wenn das Board zuerst einige Meter fällt und du anschließend darauf landest. Ein Board ist dafür gebaut, bestimmte Belastungen beim Surfen aufzunehmen, nicht dafür, auf unebenem Untergrund als Sitzbank zu dienen. Besonders wenn du dich auf die Unterseite eines schlecht abgestützten Boards setzt, kann es eingedrückt oder dauerhaft verformt werden. Dabei kann auch der Rocker, also die Längsbiegung und damit eine der wichtigsten Fahreigenschaften des Boards, verändert werden. Im schlimmsten Fall bricht der Stringer oder das gesamte Board durch.

Wenn Wasser eindringt

Besonders problematisch wird ein Schaden, sobald Wasser in das Board eindringen kann und erst recht, wenn es über längere Zeit geschieht. Je nach Art und Dichte des Schaumkerns nehmen Boards unterschiedlich schnell und unterschiedlich viel Wasser auf. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Sobald du weißt oder ernsthaft vermutest, dass Wasser eindringt, solltest du das Board nicht weiter benutzen. Lass die beschädigte Stelle lieber zu lange als zu kurz trocknen und verschließe sie anschließend fachgerecht, entweder zunächst mit einem geeigneten Provisorium oder direkt durch einen Shaper beziehungsweise eine Reparaturwerkstatt. Bleibt Feuchtigkeit im Board, kann eine Reparatur schlecht haften. Erwärmt sich das eingeschlossene Wasser später, kann zusätzlicher Druck im Inneren entstehen und die Ablösung der Laminierung vom Kern begünstigen. Ein Shaper meines Vertrauens hat einen fortschreitenden Feuchtigkeitsschaden einmal so beschrieben:

„Das ist wie Krebs: Es kommt immer wieder und wird immer größer.“
Bei einem kleinen, früh entdeckten Schaden reicht es häufig, das Board vollständig trocknen zu lassen und die Stelle sauber zu reparieren. Hat sich der Schaum jedoch großflächig vollgesogen oder wurde er durch den Einschlag stark zusammengedrückt, muss der beschädigte Bereich unter Umständen entfernt werden. Anschließend wird ein passender Schaumblock eingesetzt, verklebt, neu in Form geschliffen und laminiert. Je größer dieser Bereich ist, desto schmerzhafter wird das Zuschauen und meistens auch die Rechnung. Jede größere Reparatur verändert das Board zumindest ein wenig. Zusammengedrückter Schaum lässt sich nicht einfach wieder auf sein ursprüngliches Volumen bringen. Neues Material und Harz fügen zusätzliches Gewicht hinzu, häufig nicht vollkommen symmetrisch. Auch nach einer guten Reparatur wird das Board deshalb nicht automatisch wieder exakt so wie vor dem Schaden. Unter ungünstiger Belastung kann die reparierte Stelle ein Schwachpunkt bleiben. Kleine Reparaturen sind häufig noch überschaubar. Aufwendige Schäden entlang der Rails oder herausgerissene Finnenkästen werden dagegen schnell teuer. Bei Verleihboards können bestimmte Schäden als wirtschaftlicher Totalschaden gelten. Dann werden wegen eines einzigen unachtsamen Moments schnell mehr als 200 Euro fällig.

Wax und Duct Tape sind keine verlässliche Reparatur

Davon, einen Riss einfach mit Surf-Wax zuzuschmieren, würde ich abraten. Das Wax kann den Schaden verdecken und eine spätere Reparatur zusätzlich erschweren, bietet aber keine zuverlässige Abdichtung. Auch Duct Tape ist höchstens ein kurzfristiger Notbehelf. Es kann scharfe Bruchkanten abdecken und verhindern, dass du dich daran verletzt. Darauf zu vertrauen, dass darunter dauerhaft kein Wasser eindringt, ist jedoch keine gute Idee. Auf einem nassen, sandigen oder mit Wax verschmutzten Board hält es ohnehin nicht besonders lange. Für mich lautet die goldene Regel deshalb:

Benutze das Board nur für das, wofür es gebaut wurde.

Die meisten Schäden passieren nicht im Wasser

Viele besonders ärgerliche Schäden entstehen nicht beim Surfen, sondern in ganz banalen Situationen: beim Umziehen, in engen Treppenhäusern, am Flughafen oder wenn das Board kurz ans Auto oder neben die Haustür gelehnt wird und umfällt. Lass dich deshalb nicht hetzen, wenn du ein Board trägst. Musst du eine Tür aufschließen, dich umziehen oder etwas anderes erledigen, leg das Board vollständig und sicher auf einem geeigneten Untergrund ab. Ein liegendes Board kann nicht umfallen. Am Strand solltest du vorher kontrollieren, ob unter dem Board keine Steine oder anderen harten Gegenstände liegen. Lege es möglichst mit den Finnen beziehungsweise dem Bottom nach oben und mit der Längsachse in Windrichtung ab. So bietet es dem Wind weniger Angriffsfläche und wird nicht so leicht angehoben oder über den Strand getragen. Bei gewachsten Hardboards schützt diese Position das Wax außerdem vor direkter Sonneneinstrahlung. Andernfalls wird daraus zusammen mit Flugsand nach und nach eine zähe Masse, die, je nach Alter der Schicht, irgendwo zwischen alter Knete und Beton liegt.

Sonne und Hitze

Auch mit dem Bottom nach oben sollte ein Board nicht lange in der Sonne liegen. Hitze und UV-Strahlung können die verwendeten Materialien und ihre Verbindungen belasten. Wird ein Board zu heiß, kann im Inneren Druck entstehen und die Verbindung zwischen Kern und Außenhaut beschädigt werden. So kann auch ohne vorherigen Wasserschaden eine Delamination entstehen. Bei Softboards können sich Klebeverbindungen zwischen Deck, Bottom und anderen Schichten lösen. Besonders leicht unterschätzt man kleine dunkle Flächen. Auf der Unterseite vieler Boards befinden sich in der Nähe des Stringers oder der Finnen kleine schwarze Logos, Brandings oder Angaben zu den Maßen des Boards. Obwohl sie manchmal nur wenige Quadratzentimeter groß sind, heizen sie sich in direkter Sonne deutlich schneller auf als die hellere Umgebung. Bleibt das Board zu lange liegen, kann genau dort eine punktuelle Delamination entstehen: Unter dem kleinen dunklen Aufdruck bildet sich eine Blase, während der Rest des Boards zunächst unauffällig aussieht. Noch problematischer als die direkte Mittagssonne am Strand ist ein geschlossenes Auto. Dort wird nicht nur eine einzelne dunkle Stelle, sondern das ganze Board über längere Zeit aufgeheizt. Gerade im Urlaub ist die Versuchung groß, das Material nach der Session im Wagen zu lassen und direkt etwas anderes zu unternehmen. Für das Board ist das eine der schlechtesten Aufbewahrungsmöglichkeiten.

Transport und Schadenskontrolle

Wenn du ein Board im Flugzeug mitnimmst, achte darauf, dass es in einem geeigneten Boardbag gut gepolstert ist. Kontrolliere es nach der Landung noch im Bereich der Gepäckausgabe. Filme mit deinem Smartphone, wie du das Boardbag öffnest, damit mögliche Schäden von Anfang an dokumentiert sind. Wurde das Board während des Fluges beschädigt, melde den Schaden sofort am Gepäckservice-Schalter der zuständigen Airline und lass dir noch vor dem Verlassen der Gepäckausgabe einen schriftlichen Schadensbericht ausstellen. Je nach Airline und Flughafen wird dieser Schalter von einem Bodenabfertigungsunternehmen wie Swissport betrieben. Bewahre den Schadensbericht, den Gepäckabschnitt, deine Bordkarte sowie alle Fotos und Videos auf und reiche deine schriftliche Forderung innerhalb der geltenden Frist bei der Airline ein. Kontrolliere das Board außerdem gründlich nach einem stärkeren Zusammenstoß, wenn es nach dem Reißen der Leash an Land gespült wurde oder wenn du bei einem Duckdive gespürt hast, dass die Finnen den Boden oder einen erhöhten Felsen berührt haben. Überprüfe es vom Tail bis zur Nose und achte dabei besonders auf die Rails und Finnenkästen. So kannst du kleine Risse und undichte Stellen entdecken, bevor daraus ein größerer Wasserschaden entsteht.

Abspülen

Es schadet Boards nicht, sie gelegentlich mit Süßwasser abzuspülen, besonders bevor du dein eigenes Brett nach einem Surftrip für längere Zeit einlagerst. So entfernst du Salz und Sand aus kleinen Zwischenräumen an Fin-Plug, deren Schrauben und Leash-Plug. Das beugt Korrosion an den kleinen Metallteilen vor und verhindert, dass sich Salz ansammelt und so verkrustet dass es Probleme beim Wechseln der Finnen verursacht. Und wenn du dir ein Board leihst, nicht vergessen:

Be gentle, it’s a rental!

Neoprenanzüge: Dos and Don’ts

Die wichtigsten Regeln zuerst:

  • Geh möglichst vor dem Surfen noch einmal auf die Toilette.
  • Spüle den Neoprenanzug nach dem Surfen mit Süßwasser aus.
  • Wringe ihn nicht mit Drehbewegungen aus.
  • Trockne ihn nicht in direkter Sonne.
  • Stell ihn nicht vor einen Heizlüfter, Heizstrahler oder Föhn.
  • Hänge ihn nass nicht klassisch an den Schultern auf.
  • Zieh ihn Stück für Stück an und versuche nicht, dich mit Gewalt hineinzuzwängen.
  • Sei besonders mit langen Fingernägeln vorsichtig.
  • Packe ihn niemals nass oder klamm weg.

In den Neoprenanzug pinkeln: ja oder nein?

Meine Meinung dazu ist klar: nein, außer in einem echten Notfall. Egal, wie tief du danach abtauchst und wie sehr du versuchst, den Anzug im Wasser durchzuspülen: Ein Teil des Urins bleibt darin. Im Endeffekt nimmst du also ein Ganzkörperbad in deinem eigenen Urin. Das allein ist für mich Grund genug, vor dem Surfen noch einmal auf die Toilette zu gehen oder die Session notfalls kurz zu unterbrechen. Sollte es doch passieren, wird Neopren-Shampoo bei der anschließenden Reinigung zur Pflicht. Bei einem geliehenen Neoprenanzug solltest du dir außerdem überlegen, was wäre, wenn jeder hineinpinkeln würde. Denk dabei auch an die Menschen im Verleih, die den Anzug anschließend reinigen müssen. Der Umgang mit den Neoprenanzügen ist übrigens etwas, worauf du bei einer Surfschule achten kannst. Werden 30 oder 40 Anzüge nacheinander durch dieselben zwei oder drei Eimer gezogen, ohne zwischendurch das Wasser zu wechseln, hat das mit hygienischer Reinigung irgendwann nicht mehr viel zu tun. Daran ändert auch ein grundsätzlich sinnvolles System aus einem Eimer zum Entfernen des Sands, einem mit Neopren-Shampoo zur Reinigung und einem zum Klarspülen wenig. Bei dieser Menge sammeln sich im Wasser Schmutz, Schweiß und, besonders wenn viele Gäste stillschweigend in die Anzüge pinkeln, auch Urin. Im Hochsommer wird das durch die Hitze und den zusätzlichen Schweiß noch unangenehmer. Während meiner Zeit in großen Surfschulen war das Reinigen der Neoprenanzüge deshalb eine der ekelhaftesten Aufgaben des Tages. An besonders heißen Tagen roch das Wasser am Ende deutlich nach Schweiß und Urin. Wenn dir die Möglichkeit gegeben wird, während deines Camps oder Kurses jeden Tag denselben Neoprenanzug zu behalten und separat selbst zu waschen, nimm sie wahr.

Ausspülen und pflegen

Spüle den Neoprenanzug nach der Benutzung gründlich mit Süßwasser aus. Ab und zu kannst du zusätzlich ein spezielles Neopren-Shampoo verwenden. Diese Reiniger wirken meist antibakteriell und sollen dabei helfen, das Material in gutem Zustand zu halten. Häufig fühlt sich der Neoprenanzug danach außerdem wieder etwas geschmeidiger an und lässt sich leichter anziehen.

Warum Süßwasser?

Im Salzwasser gelangt gelöstes Salz in die textile Oberfläche, die Nähte und die feinen Zwischenräume des Neoprenanzugs. Trocknet der Anzug, bleibt das Salz zurück und kristallisiert aus. Diese Rückstände können das Material mit der Zeit belasten. Der Neoprenanzug wird zunehmend härter, verliert an Geschmeidigkeit und lässt sich schlechter anziehen. Durch gründliches Ausspülen mit Süßwasser entfernst du das Salz, bevor es sich dauerhaft im Material ansammelt.

Nicht auswringen

Einen nassen Neoprenanzug solltest du nicht wie ein Handtuch auswringen. Durch die Drehbewegung werden die elastischen Materialien überdehnt und können leicht beschädigt werden. Der Anzug verliert seine Form, wird immer mehr zum Sack und sitzt schließlich nicht mehr richtig. Auch Neoprenanzüge bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Schichten. Durch kräftiges Auswringen können sich diese Lagen voneinander lösen. Wenn du überschüssiges Wasser entfernen möchtest, drück den Anzug vorsichtig zwischen den Händen aus, ohne ihn dabei zu verdrehen.

Richtig aufhängen und trocknen

Ein nasser Neoprenanzug ist schwer. Steckst du einen normalen Kleiderbügel klassisch in den Anzug, lastet dieses Gewicht auf den Schulterpartien und den Nähten. Auf Dauer können sie dadurch ausleiern. Besser ist ein stabiler dreieckiger Bügel mit einer horizontalen Hosenstange. Hänge den Neoprenanzug mittig an der Taille darüber, sodass Ober- und Unterkörper auf beiden Seiten herunterhängen und das Wasser gut abtropfen kann. So verteilt sich das Gewicht wesentlich gleichmäßiger und belastet nicht dauerhaft die Schulternähte. Hänge den Anzug an einem luftigen Ort auf. Ein leichter Luftzug beschleunigt das Trocknen, ohne das Material unnötig zu belasten. Direkte Sonne solltest du ebenso vermeiden wie Heizlüfter, Heizstrahler oder einen Föhn direkt vor dem Anzug. Die Idee, ihn auf diese Weise besonders schnell zu trocknen, tut dem Material auf Dauer keinen Gefallen. Es gibt tatsächlich spezielle Bügel mit eingebauter Trockenvorrichtung, die Neoprenanzüge schonend mit warmer Luft trocknen sollen. Diesen Luxus habe ich mir bisher nicht gegönnt und kann deshalb keine eigene Meinung dazu abgeben. Und eigentlich selbstverständlich: Wie andere Schwimmsachen solltest du auch einen Neoprenanzug niemals nass oder klamm wegpacken.

Anziehen ohne Gewalt

Am unkompliziertesten anzuziehen sind meistens Backzipper, weil sich die Öffnung am Rücken weit aufziehen lässt. Steig zuerst mit einem Bein hinein und zieh den Anzug Stück für Stück so weit hoch, bis der Knieschoner genau auf dem Knie sitzt. Danach folgt das andere Bein. Sobald beide Knie an der richtigen Stelle sitzen, wird der Rest deutlich einfacher. Versuch nicht, in einen Neoprenanzug wie in eine normale Hose hineinzuschlüpfen und ihn anschließend mit Gewalt nach oben zu ziehen. Wenn es an einer Stelle eng wird, arbeite dich dort nach und nach weiter. Zieh das Material abwechselnd links und rechts in kleinen Schritten nach oben. Versuch auch nicht, bereits in die Ärmel und Schulterpartien zu kommen, während die Beine noch irgendwo unterhalb der Knie festhängen. Solange der Anzug an den Beinen nicht richtig sitzt, fehlt dir das Material weiter oben. Wenn du dann kräftig ziehst, überdehnst du genau die Stellen, die später eng anliegen und möglichst wenig Wasser hereinlassen sollen. Besondere Vorsicht ist mit langen Fingernägeln geboten. Rutschst du beim Zurechtzupfen ab, können die Nägel das Material beschädigen. Dabei können Schwachstellen entstehen, die ein wenig an Laufmaschen in einer Strumpfhose erinnern. An diesen Stellen kann der Anzug später durchlässig werden.

Frontzipper und No-Zip-Anzüge

Frontzipper und No-Zip-Anzüge sind besonders angenehm, weil sie das Wasser, zumindest direkt nach dem Kauf, nahezu hermetisch draußen halten. Nur eine dünne Wasserschicht dringt ein, erwärmt sich und bleibt im Anzug. Diese Eigenschaft wird jedoch schnell beeinträchtigt, wenn du den Anzug häufig längere Zeit im „Halfway-Look“ trägst, beispielsweise zwischen zwei Sessions oder während du auf andere wartest. Dabei bleibt der enge Bereich, der später am Hals abschließen soll, über längere Zeit bis auf Hüftbreite gedehnt und leiert aus. Bei Backzippern ist das deutlich weniger problematisch.

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